Die Schellack Handpolitur

Der Lack bei feinen Saiten-Instrumenten erfüllt zwei Funktionen:

Zum Ersten soll er das Holz schützen vor Verschmutzung  und Beschädigung. Denn Schmutzpartikel würden die Schwingungsfähigkeit negativ beeinflussen, und der Lack bewahrt besonders das Weichholz der Decke vor erhöhtem Abrieb beim Spielen.

Zum Zweiten hilft der Lack, dass die Decke den Ton besser abstrahlen kann.

Unter dem Mikroskop betrachtet hat das Holz selbst einer superfein geschliffenen Gitarrendecke eine raue Oberfläche. Diese würde den Klang eher etwas dämpfen als perfekt abstrahlen; man kennt diesen Effekt auch von Samttüchern u.ä. Man hat mit Stradivari-Geigen, die restauriert werden mussten, den Versuch gemacht, dass man sie sowohl unlackiert als auch lackiert gespielt hat. Und siehe da: den strahlenden Klang der "Stradivari" entwickelten sie erst nachdem sie lackiert worden waren. (Selbstverständlich wurde dabei ein Geigenlack verwendet, der dem Stradivaris möglichst nahe kam.)

Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass Lack ja zusätzlich durch seine eigene Masse das Schwingungsverhalten dämpfen würde. Das tut er auch - und aus eben diesem Grunde muss er möglichst dünn aufgetragen sein. Zusammengefasst bedeutet dies, dass für den Klang einer hochwertigen Gitarre ein möglichst glatter und gleichzeitig möglichst dünner Lack die erste Wahl ist. Diese beiden Kriterien erfüllt am Besten die hochglänzende Schellack-Handpolitur.

 

Das Lackieren auf diese Weise geht folgendermaßen:

Dazu wird ein kleiner Wollstoff-Knäuel in ein Stück Satin-Stoff eingelegt, so dass der so genannte Polierballen entsteht. Diesen tränke ich leicht an der Oberfläche mit Schellack * (meine spezielle Schellack-Öllack-Mischung), und trage die erste hauchdünne Lackschicht mit kreisenden Bewegungen auf die fein vorbereitete Decke auf. Einmal aufgetragen ergibt dies natürlich nur eine sehr dünne Lackschicht, die weit entfernt davon ist, die Poren zu schließen. Daher muß ich die Decke immer und immer wieder in der gleichen Art handpolieren. Zwischen den einzelnen hauchdünnen Schellack-Schichten müssen jeweils mindestens 12 Stunden Trockenzeit liegen, damit beim nächsten Poliergang der zuvor aufgetragene Lack nicht wieder abgelöst wird. So trage ich so viele Schichten auf, bis die Lackfläche geschlossen und spiegelglatt ist. In der Regel habe ich diesen Optimalzustand nach der 25ten bis 30ten Lack-Schicht erreicht. Und gerade da liegt der Vorteil dieser Lackier-Methode: dass das Auftragen beendet wird, wenn der Lack noch sehr dünn ist, jedoch schon ganz glatt. So erreiche ich einen dünnen Lack, der das Holz der Gitarre bestens schützt und die Brillanz meiner Instrumente unterstützt. Es ist zusätzlich noch eine besondere Kunst, die Schellack-Handpolitur durch eine hochglänzende Oberfläche zu vollenden. Diese strahlt den Klang noch besser ab.

Gepflegt werden sollte der Schellack mit einem feinen Violin-Polish. Da die Schellack-Schicht in der Regel sehr dünn ist, sollten Sie sie bei mittlerer und starker Beanspruchung etwa jährlich von einem erfahrenen Gitarrenbauer nachpolieren lassen. So wird der abgenutzte Schellack wieder aufgetragen.

 

*SCHELLACK

auch Gummilack, Blattlack. Naturharzlack. Harzige Abscheidungen ost- und hinterindischer

Schildläuse auf den Zweigen verschiedener Bäume. Diese werden mittels

Reinigung und Verdünnung mit Alkohol zu Lack verarbeitet.

 

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Ich verwende kein torrefiziertes oder sonstig erhitzes Holz. Die Erhitzung zerstört die Feinstruktur des Tonholzes. Um einen vollen warmen Klang zu erreichen, verbaue ich nur ausgesuchte Hölzer, die ich selbst in meiner Werkstatt an freier Luft mehr als 15 Jahre sorgfälig gelagert habe. Schon Stradivari, Guarneri und Amati haben so ihre Hölzer auf den Wohlklang vorbereitet.

 

Torrefizierung (Wikipedia):

Torrefizierung, auch Torrefikation (von lateinisch „torrere“ = rösten, dörren) bezeichnet die thermische Behandlung von Biomasse ohne Luftzutritt, was zu einer pyrolytischen Zersetzung und Trocknung führt. Das Verfahren wird bei für eine Pyrolyse relativ niedrigen Temperaturen von 250 bis 300 °C durchgeführt. Ziel ist, ähnlich wie bei einer Verkokung, die Erhöhung der massen- und volumenbezogenen Energiedichte und damit des Heizwerts des Rohmaterials, eine Steigerung der Transportwürdigkeit oder eine Reduzierung des Aufwands bei einem nachfolgenden Zermahlen von Biomasse.

 

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Ich baue keine Doubletop-Gitarren und als Verleistung auch kein Lattice -Bracing.

(Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Gitarristen, die auf der Bühne Double-Top Gitarren spielen,

zuhause zu ihrer konventionellen Gitarre greifen. Ihren Ohren zuliebe.)

Schon 1986 experimentierte der berühmte Pariser Gitarrenbauer Daniel Friederich mit diesen Kunststoff (Carbon u.ä.)-beschichteten Decken, und verwarf das Verfahren aus klanglichen Gründen. Er war ihm bei solchen Gitarren zu hart und zu farblos. Ich selbst habe in den 2000er Jahren auch welche gebaut, bin aber zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Ebenso ergeht es mir in Konzerten, in denen Doubletops gepielt werden.

Um einen vollen, lauten, und dennoch charmanten Ton mit vielen Klangfarben zu erhalten, forschte ich schon früh mit eigenen Decken-Verleistungen auf klassischer Basis. Dieses Ziel verliere ich bei allen Neu-Entdeckungen und Fortschritten nie aus den Augen.

 

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